Menschlichkeit im öffentlichen Dienst – Es gibt sie

Anonym, uneinsichtig, beratungsresistent und unnahbar. Das sind die ersten Gedanken, die zumindest mir kommen, wenn ich über die Angestellten im öffentlichen Dienst nachdenke. Diese Ansicht wurde jedoch in ihren Grundfesten erschüttert. Kurze Vorgeschichte.

Montag Morgen, kurz nach 1 Uhr in der Nacht, am 03.12.2012. Ich, am Steuer unseres Wagens, auf der Stadtrodaer Straße in Jena, stadteinwärts. Neben mir meine Frau mit starken Wehen. Kurz, wir sind auf dem Weg in den Kreisssaal. In so einer Situation denkt man an alles Mögliche, nur nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen.
Nun ist schon seit geraumer Zeit ein stationärer Blitzer auf diesem Weg installiert. Dieser war der Meinung, dass wir ein wenig zu flott unterwegs waren, kannte er ja unsere persönliche Situation nicht. Kurzum, ein schnelles rotes Aufzucken, ich bemerkte es nur am Rande, und weiter ging die Fahrt.
Zwei Monate später kam dann Post von der Stadtverwaltung Jena. Ein Bußgeldbescheid über 15 € wegen oben genannter Geschwindigkeitsübertretung. Da dachte ich mir, versuche Dein Glück, schreib ein paar Zeilen über die Situation, lege die Geburtsurkunde unserer Tochter bei und schau‘ einfach mal was daraus wird.
Noch mal vier Wochen später die Antwort, mit der ich nicht gerechnet hatte:

Wir wünschen den frischgebackenen Eltern und dem Familienzuwachs alles Gute.

Ihre Einlassung wurde sorgfältig geprüft, vermag Sie aber nur zum Teil zu entlasten. Auf Grund der besonderen Umstände sind wir dennoch ausnahmsweise bereit, auf die Durchführung eines Bußgeldverfahrens zu verzichten […] jedoch mit dem außdrücklichen Hinweis, dass im Wiederholungsfalle auf die Durchführung eines Bußgeldverfahrens nicht mehr verzichtet werden kann.

Beide Daumen hoch von mir für die Jenaer Stadtverwaltung. Ich würde sogar auf „Gefällt mir“ klicken, wenn sie denn eine Facebook Seite hätten, haben sie aber nicht.
Weiter so im öffentlichen Dienst, so wird’s. Mein Vertrauen, zumindest in den Verwaltungsapparat Jenas, ist deutlich gestärkt und wir haben ein herrliches Erinnerungsfoto an diesen ganz besonderen Tag.

 

Ronny Hartmann-Schmidt

Über Ronny Hartmann-Schmidt

Ronny ist Autor bei Hartmann-schmidt.de, Software-Entwickler, Dozent im Fachbereich Informatik und begeisterter Web-Entwickler.

16. März 2013 von Ronny Hartmann-Schmidt
Kategorien: Allgemein, Schabernack | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Hallo Ronny, nochmals Glückwunsch.
    Meine Frau ist übrigens auch mit überhöhter Geschwindigkeit zum Kreissaal gefahren worden. Allerdings mit dem Krankenwagen, weil ich noch im ICE von Jena nach Leipzig steckte. Bußgeldbescheid gab es deshalb nicht 😉
    Übrigens, ist deine Tochter wirklich am 03.12.2013 geboren 😉 ?
    Grüße, Dominik

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